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Robert-Jan Stips - "Thousand Faces" |
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 | Robert-Jan Stips - "Thousand Faces" Vor einigen Wochen wurde ich von Thomas gebeten, anlässlich des 60. Geburtstages von Robert-Jan Stips etwas über ihn zu schreiben. Für mich macht das nur Sinn, wenn ich mich nicht aus dem sicher reichlich vorhandenen Material im Internet bediene, sondern versuche, einige persönliche Gedanken aufs Papier zu bringen. |
Als Einleitung eine kurze Antwort auf Thomas’ Stichwörter in seinem Mail: - Warum Robert-Jan Stips? à Er war ganz zufällig der Keyboarder einer Band, die sich zu meiner Lieblingsband entwickeln sollte. - Seit wann kennst Du Robert-Jan Stips? à Seit dem Nits-Konzert 1983 in Zürich. - Was begeistert Dich an Robert-Jan Stips? à Einerseits, dass er sich nicht hinter Synthesizertricks zu verstecken braucht, sondern einen Flügel ebenso beherrscht wie computerisierte Sounds. Andererseits, dass er der ruhige, humorvolle und bescheidene Robert-Jan Stips geblieben ist, auch wenn er mit unzähligen Musikern die unterschiedlichsten Musikrichtungen beackert hat. Die Gründungsmitglieder der The Nits stammen aus Amsterdam, sind also Niederländer. Ich behaupte, wären sie Amerikaner oder Engländer, zählten sie heute zu den grossen Stars. Die The Nits sind aber eine Kultband geblieben, die nur 1987 kurz am Startum geschnuppert hat. |
 | Klavierspieler ist, weil er aus purer Neugierde die rasante technische Entwicklung der Keyboards mitmacht, weil er seinen Ideenreichtum auch umsetzen kann und das ganze Instrumentarium für ihn mehr als nur Mittel zum Zweck ist. Ein Mitglied von Depeche Mode soll einmal gesagt haben, dass er sich mit den paar wenigen Sachen von Robert-Jan Stips nie in den Übungsraum wagen würde, geschweige denn auf die Bühne. Das zeigt eindrücklich, dass Robert-Jan Stips unter Kollegen einen hervorragenden Ruf geniesst, aber beim breiten (Pop-)Publikum unbekannt geblieben ist. Ja, woran liegt das nur? The Nits haben zwar eine kleine, treue europäische Gefolgschaft, aber nur 1987 erreichten sie mit „In The Dutch Mountains“ europaweit das Poppublikum, bevor sie sich - erschreckt - wieder in ihre eigene Welt zurückzogen. Dieses Phänomen The Nits werde ich später kurz zu durchleuchten versuchen. |
Bei The Nits steht Henk Hofstede im Zentrum, denn in einer Band passiert es fast automatisch, dass der Sänger (und Haupttexter) als erster wahrgenommen wird. Robert-Jan Stips hat zwar eine höchst angenehme, tiefe Sprechstimme, die sich aber zum Singen nur bedingt eignet. Bei Supersister ging das noch gut, weil der Gesang nur als ein Instrument unter vielen angesehen wurde. Bei Popsongs hingegen mag sein Gesang für einen, zwei Songs gut passen, aber eine ganze Platte lang vermag mich seine Stimme nicht zu fesseln. So sind alle Soloprojekte von Robert-Jan Stips aus kommerzieller Sicht mehr oder weniger gescheitert. Ich könnte mir vorstellen, dass Robert-Jan Stips sich schon öfters mal gefragt hat, warum etwa Henk Hofstede oder Bertus Borgers oder Barry Hay mit solch tragenden Stimmen gesegnet sind und er ... Das dürfte einer der Gründe gewesen sein, warum er 1996 The Nits – wie sich herausstellen sollte - für sieben Jahre verlassen hat: Sein Wunsch mit samt dem Gesang wieder die alleinige Verantwortung zu übernehmen, seine eigenen Songs zu schreiben, sie selber zu singen, zu arrangieren, im eigenen Studio aufzunehmen, zu produzieren und auf die Bühne zu bringen. Andere, wichtige Gründe für seinen Abgang: Die berühmten musikalischen Differenzen und eine deutliche Unterbeschäftigung auf der Bühne, nachdem 1992 zwei neue Musiker dazugekommen waren. (RJS war vorher auch für den Basssound verantwortlich und hatte viele Soundlöcher zu stopfen.) Aber auch das von ihm in seiner unnachahmlichen Art als Egotrip betitelte Solo-Projekt brachte nicht den grossen Durchbruch! Ohne Hitparadenerfolg gibt es keinen entsprechenden Plattenvertrag, keine grossen Hallen, keine Europatour, keine ... Für uns auch gut, denn wäre Robert-Jan Stips ein grosser Star, hätte er keine Zeit, um bei all den befreundeten Musikern mitzuspielen, für diese Musik und Songs zu schreiben, sie zu produzieren, Musik abzumischen, Songs zu arrangieren (die Strings), auf der Bühne zu improvisieren, Musik für Ausstellungen, TV- und Radiosendungen, Spielfilme (erstaunlich wenig!) und Werbung zu schreiben und dem Nits-Sound seinen unverkennbaren Stempel aufzudrücken. Ich denke, nun dürfte es auch für GOLDEN EARRING-Fans interessant sein, einige besondere Eigenheiten der Nits und damit auch von Robert-Jan Stips kennen zu lernen. The Nits machen Musik, ohne sich um Trends, Moden und kommerzielle Aspekte zu kümmern, und sie können trotzdem ganz gut davon leben.
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Auch wenn es nicht ihr Ziel ist – sie verändern sich von Platte zu Platte dermassen, dass sie zum Alptraum jeder Promotionsabteilung einer Plattenfirma geworden sind. So hat sich die englische Sony geweigert, auch nur einen Penny in The Nits zu investieren und diese so bisher nur drei Konzerte auf der anderen Seite des Ärmelkanals gegeben haben. Auf der Bühne versuchen sie nicht krampfhaft, die Studioversionen zu reproduzieren, sondern für sie ist die Bühne eine Spielwiese, wo sie wie Bob Dylan ihre Songs ständig umarrangieren. Legendär sind ihre Wunschkonzerte. Das Publikum kann sich dabei Songs aus den letzten 60 Jahren Musikgeschichte wünschen. Sie versuchen dann, diese mindestens anzuspielen – also Henk Hofstede, Robert-Jan Stips, Rob Kloet und ihre Mitmusiker als wandelndes Musiklexikon! Leider gibt es davon, im Gegensatz zu den Neuarrangements, keine Beispiele auf Platte, aber auf www.nits-files.webhop.org/ wird man fündig. | |
So überraschen The Nits nicht, wenn sie Coverversionen ins Programm, in einen Song einstreuen, mal absichtlich, mal improvisiert. Vor den Zugaben machen sie keinen Tenüwechsel und spielen die Greatest Hits, nein, da tauchen immer wieder B-Seiten und unveröffentlichte Songs auf (und sie vergessen wie 1996 in Zürich die aktuelle Single zu spielen.) Sie haben viele Konzerte und Studiosessions mit einfachen Mitteln aufgenommen und scheuen sich nicht, ihre Fans daran teilhaben zu lassen. So verstehen wir Fans dank all den Tapes die Entwicklung der Nits-Musik besser, haben jede Menge zu diskutieren und brauchen nicht auf CDs mit Bonus-Tracks zu warten.
Keine Frage, Robert-Jan Stips spielt eine wichtige Rolle in diesem Gefüge. Mit seinem glasklaren Pianospiel hat er 1981 den Nits-Sound umgekrempelt, wahrscheinlich verhindert, dass sich die Band in eine Sackgasse begab und auch Henk Hostede animiert, endlich seine Balladenseite nicht mehr zu verstecken. Um Wunschkonzerte spielen zu können, braucht es ein traumhaftes Zusammenspiel und eine grosse Lockerheit. Bei Robert-Jan Stips hat der Humor immer einen grossen Platz in der Musik. Genau das hat etwa Supersister im Vergleich zu anderen Progbands so speziell gemacht. Die etwas „schräge“ Show, die Texte und das entsprechende Tastenspiel bringen den Humor von Robert-Jan Stips immer wieder zum Ausdruck. Auch Henk Hostede hat sich in den 80er-Jahren stark verändert. Wahrscheinlich haben The Nits sich gegenseitig beeinflusst. Wo der Humor von Robert-Jan Stips für mich immer einen etwas intellektuellen Touch hatte (Frank Zappa ist natürlich sein grosses Vorbild!), ist die ursprünglich melancholische und eher düstere Seite von Henk Hostede zunehmend durch eine spielerische Neugierde und Fröhlichkeit ergänzt worden. Und das Im Studio und auf der Bühne! Ein Zuschauer nannte das mal abschätzig einen Kindergarten. Für mich hingegen ist das eine Band, die ihre Musik lebt, und das überträgt sich auf das Publikum. Ich kenne kaum eine Band, die auf der Bühne eine solche Herzlichkeit ausstrahlt und miteinander und mit ihrer Musik so viel zu tun hat.
Aber auch bei den Nits ist für mich als klarer Fan nicht alles Gold was glänzt. Dazu hat auch Robert-Jan Stips seinen Teil beigetragen. Einige seiner Synthesizer-Sounds aus den Mit-80ern klingen im Rückblick „dated“. Als Beispiele einiges von der Adieu, Sweet Bahnhof-Tour, oder auf der "Henk"-LP. Nach den Live-Versionen mag ich hier einiges nicht mehr hören, und da spielen gewisse Synthie-Spielereien in etwa The Singing Telegram, Cabins oder Pillow Talk auch eine Rolle. Für die obergrässlichen Ausblender bei Typist Of Candy und Cabins dürfte er hingegen nicht verantwortlich sein! |
 | Robert-Jan Stips wird sich weder mit 60 noch mit 65 pensionieren lassen und in den Ruhestand treten. Der gemäss Freek De Jonge „ungekrönte Kaiser des Keyboards“ ist und bleibt Musiker! Er wird weiter seine Solo-Konzerte im kleinen Rahmen spielen, wo er nicht à la Keith Jarrett einen 2-stündigen Egotrip durchzieht, sondern humorvoll seine Virtuosität in den Dienst seiner Songs stellt. Seit er wieder für den Basssound verantwortlich ist, mal auch seine Handorgel auspacken kann und sich weiterhin so gut mit Henk Hostede und Rob Kloet versteht, ist ein Ende der The Nits nicht abzusehen. Und es bleibt abzuwarten, ob er weiter Zeit findet, seine Freundschaft mit Freek De Jonge zu pflegen und eine der Personen bleibt, die helfen, dessen chaotisch übersprudelnde Produktivität in geordnete Bahnen zu lenken. Sein Spektrum von kommerziell bis unkommerziell, von laut bis leise, von durchdacht bis improvisiert, von akustisch bis elektronisch und das alles im Bereich Pop, Jazz, Hard Rock, klassische Musik, Techno, Prog, Rock, Blues, etc. wird er beibehalten. Ich bin mir auch sicher, dass er nicht abheben wird, weiter auf dem Boden bleiben und weiterhin so cool reagieren wird wie beim Progfest in den USA, als das Mietkeyboard seine Disketten nicht lesen wollte. |
Und für die EARRINGS wird er da sein, wenn sie ihn rufen!
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Letzte Aktualisierung ( Freitag, 5. Februar 2010 )
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